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Der Leuchtturm diskutiert nicht mit den Wellen

Menschlichkeit & Führung

Warum Selbstführung vielleicht eine der wichtigsten Führungskompetenzen unserer Zeit ist

Es gibt Tage, da fühlt sich das Leben eher nach ruhiger Ostsee an.

Und dann gibt es diese anderen.

Der Kalender ist voll. Das Handy blinkt. Eine Mitarbeiterin braucht dringend ein Gespräch. Der Kunde hat „nur eine kurze Frage“. Im Team schwelt etwas. Die Zahlen wollen betrachtet werden. Zu Hause wartet auch noch das echte Leben.

Und irgendwo dazwischen sollen wir bitte klar, souverän, empathisch, entscheidungsfreudig und möglichst gut gelaunt führen.

Herzlichen Glückwunsch.

Vielleicht ist genau deshalb Selbstführung für mich heute eines der wichtigsten Themen überhaupt.

Denn bevor wir darüber sprechen, wie wir andere führen, lohnt sich eine viel grundsätzlichere Frage:

Wie gut kann ich eigentlich mich selbst führen?

Jeder von uns ist eine Führungskraft

Führung beginnt für mich lange vor der ersten Personalverantwortung.

Jeder Mensch führt.

Sich selbst.

Durch Entscheidungen. Durch Unsicherheit. Durch Konflikte. Durch Veränderungen. Durch die ganz normalen kleinen und großen Zumutungen des Lebens.

Selbstführung zeigt sich dabei selten an den Tagen, an denen alles wunderbar läuft.

Interessant wird es, wenn die Wellen höher werden.

Wenn jemand mich kritisiert.
Wenn eine Entscheidung nicht funktioniert.
Wenn ein Mensch ganz anders reagiert, als ich es erwartet habe.
Wenn ich unter Zeitdruck gerate.
Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle.

Oder wenn morgens um 8.17 Uhr bereits der dritte Mensch etwas von mir möchte und meine innere Führungskraft sich spontan für einen längeren Aufenthalt unter der Bettdecke ausspricht.

Genau dann zeigt sich, wie gut ich mit mir verbunden bin.

Ich mag Leuchttürme

Vielleicht liegt das auch daran, dass ich ein Kind des Nordens bin und die Ostsee zu meinem Leben gehört.

Uns Norddeutschen sagt man ja gern eine gewisse Ruhe und Gelassenheit nach. Ob das immer stimmt, sei dahingestellt. 😉 Aber das Bild eines Leuchtturms, der bei Wind und Wetter seinen Platz kennt, fühlt sich für mich tatsächlich sehr vertraut an.

Ein Leuchtturm hat für mich etwas wunderbar Unaufgeregtes.

Er steht.
Fest verankert.
Klar ausgerichtet.

Das Meer darf Meer sein. Die Wellen dürfen Wellen sein. Der Wind muss keinen Antrag stellen, bevor er stärker wird.

Der Leuchtturm kennt seinen Platz.

Was für ein schönes Bild für Selbstführung.

Denn innere Stabilität bedeutet für mich nicht, dass uns nichts berührt.

Im Gegenteil.

Ich kann berührt sein und trotzdem bei mir bleiben.

Ich kann verunsichert sein und mich wieder ausrichten.
Ich kann wütend werden und entscheiden, was ich mit meiner Wut mache.
Ich kann Angst spüren und trotzdem handeln.
Ich kann einen anderen Standpunkt hören, ohne meinen eigenen sofort verteidigen zu müssen.

Das ist für mich Stärke.

Der „heilige Raum“ in uns

Pater Anselm Grün spricht von einem „heiligen Raum“ im Menschen.

Dieser Gedanke begleitet mich schon lange. Ich verstehe darunter einen inneren Ort, an dem für einen Moment all die Rollen still werden, die wir täglich ausfüllen.
Führungskraft. Unternehmerin. Mitarbeiter. Mutter. Vater. Partnerin. Kollege. Problemlöserin. Entscheider.

Dort muss ich nichts darstellen. Dort darf ich einfach wahrnehmen:

  • Wie geht es mir gerade wirklich?
  • Was beschäftigt mich?
  • Was brauche ich?
  • Was davon gehört tatsächlich zu mir – und was habe ich gerade von anderen übernommen?
  • Wofür stehe ich?
  • Und wie möchte ich aus dieser Haltung heraus handeln?

Das klingt vielleicht zunächst wenig betriebswirtschaftlich.

Ich halte es für ausgesprochen wirtschaftlich.

Wer sich selbst führen kann, führt andere anders

Denn unser innerer Zustand bleibt selten ausschließlich unser Privatvergnügen.

Er kommt mit ins Meeting. E
r sitzt mit im Mitarbeitergespräch.
Er schreibt E-Mails.
Er entscheidet mit.

Und gelegentlich spricht er sogar, bevor unser Verstand sich eingeschaltet hat.

Menschen spüren sehr genau, ob eine Führungskraft innerlich klar ist.

Selbstführung verändert deshalb auch das DU.

Je besser ich mich selbst wahrnehme, desto eher kann ich auch den anderen wahrnehmen.

Ich kann zuhören, statt bereits meine Antwort vorzubereiten.

Ich kann eine andere Perspektive verstehen wollen.

Ich kann unterscheiden zwischen dem, was jemand sagt, und dem, was es in mir auslöst.

Und ich kann mich fragen:

Was braucht diese Situation jetzt von mir?

Manchmal Klarheit.

Manchmal eine Grenze.

Manchmal eine Entscheidung.

Manchmal eine Frage.

Und manchmal tatsächlich: erst einmal Mund halten.

Auch das kann Führung sein.

Selbstführung ist keine Selbstoptimierung

Vielleicht liegt mir dieser Unterschied besonders am Herzen.

Wir leben in einer Zeit, in der wir unglaublich viel an uns optimieren können.

Schlaf. Ernährung. Produktivität. Zeitmanagement. Fitness. Fokus. Morgenroutine.

Irgendwann braucht vermutlich auch das Zähneputzen noch einen KPI.

Selbstführung bedeutet für mich etwas anderes.

Es geht nicht darum, eine möglichst perfekte Version meiner selbst herzustellen.

Es geht darum, mit mir in Verbindung zu sein.

Meine Muster zu kennen.

Meine Wirkung wahrzunehmen.

Verantwortung für mein Verhalten zu übernehmen.

Und immer wieder die Freiheit zwischen einem äußeren Impuls und meiner Reaktion zu entdecken.

Dort beginnt Selbstwirksamkeit.

Vom ICH zum DU zum WIR

Seit vielen Jahren arbeite ich mit dem Gedanken ICH – DU – WIR.

Und die Reihenfolge ist für mich entscheidend.

ICH: Wie führe ich mich selbst? Welche Haltung bringe ich mit? Wie bewusst bin ich mir meiner Wirkung?

DU: Wie begegne ich einem anderen Menschen? Kann ich wirklich zuhören? Kann ich seine Perspektive wahrnehmen und verstehen wollen?

WIR: Was entsteht daraus zwischen uns? Wie übernehmen wir gemeinsam Verantwortung? Wie schaffen wir Vertrauen, Klarheit und Zusammenarbeit?

Ein tragfähiges WIR braucht Menschen, die sich selbst kennen und gleichzeitig offen für andere bleiben.

Deshalb beginnt Führung für mich beim ICH.

Nicht, weil das ICH wichtiger wäre als die anderen.

Sondern weil ich dort anfangen kann.

Bei mir.

Die Wellen werden bleiben

Vielleicht wünschen wir uns manchmal, dass das Leben irgendwann etwas übersichtlicher wird.

Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist.
Wenn die Veränderung geschafft ist.
Wenn das Team vollständig ist.
Wenn die Kinder größer sind.Wenn der Markt wieder ruhiger wird.

Wenn …

Vielleicht können wir uns einen Teil dieser Wartezeit sparen. Das Leben wird Bewegung bleiben.

Und genau deshalb gefällt mir der Leuchtturm so gut.

Seine Stärke liegt nicht darin, das Meer zu verändern.

Seine Stärke liegt in seiner Verankerung und seiner Ausrichtung.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fähigkeiten unserer Zeit:

in sich gut verankert zu sein – gerade dann, wenn das Leben wild wird.

Oder, wie ich es für mich formulieren würde:

„In der Wildheit des Lebens braucht es einen Ort,
an dem wir ganz bei uns sind.“

Regina Först

Und von dort aus können wir wieder hinausgehen.

Ins DU.

Ins WIR.

Und mitten hinein ins echte Leben.

 

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Der größte Irrtum in der Führung

Menschlichkeit & Führung

Warum Menschlichkeit und Unternehmenserfolg keine Gegensätze sind.

Seit mehr als 30 Jahren begegnet mir derselbe Gedanke. Nicht immer ausgesprochen. Aber in vielen Unternehmen gelebt.

Er lautet: Entweder wir sind menschlich. Oder wir sind erfolgreich.

Als gäbe es nur diese beiden Möglichkeiten.

Die einen befürchten: “Wenn wir zu viel Verständnis zeigen, sinkt die Leistung.”

Die anderen sagen: “Wenn wir konsequent Ergebnisse einfordern, bleibt der Mensch auf der Strecke.”

Ich halte beides für einen Irrtum. Nicht, weil wirtschaftlicher Erfolg unwichtig wäre. Ganz im Gegenteil. Unternehmen brauchen Ergebnisse. Sie brauchen Klarheit. Sie brauchen Leistung. Und sie brauchen Verantwortung.

Aber sie brauchen vor allem Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, mitzudenken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Genau das entsteht nicht durch Druck. Sondern durch Vertrauen.

Menschlichkeit ist kein Kuschelfaktor

Menschlichkeit bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden. Sie bedeutet auch nicht, jede Entscheidung angenehm zu machen.

Menschlichkeit bedeutet für mich:

Menschen ernst zu nehmen.

Klar zu kommunizieren.

Verantwortung zu übernehmen.

Respektvoll miteinander umzugehen.

Gerade schwierige Entscheidungen brauchen Menschlichkeit. Denn sie entscheidet darüber, wie Menschen sie erleben.

Warum beides zusammengehört

In meiner Arbeit durfte ich unzählige Führungskräfte und Teams begleiten. Dabei habe ich immer wieder beobachtet: Dort, wo Menschen Vertrauen erleben, bringen sie Ideen ein. Dort, wo Fehler nicht sofort bestraft werden, lernen sie schneller. Dort, wo Führung Orientierung gibt, übernehmen Mitarbeitende Verantwortung.

Und dort, wo Verantwortung wächst, entsteht Leistung. Nicht trotz der Menschlichkeit. Sondern wegen ihr.

Der eigentliche Perspektivwechsel

Vielleicht sollten wir aufhören zu fragen: Menschlichkeit oder Unternehmenserfolg?

Die wichtigere Frage lautet: Wie schaffen wir eine Unternehmenskultur, in der Menschlichkeit wirtschaftlichen Erfolg möglich macht?

Für mich gehören beide untrennbar zusammen. Nicht erst seit gestern. Sondern seit mehr als 30 Jahren. Denn nachhaltiger Unternehmenserfolg entsteht nicht gegen den Menschen. Er entsteht durch den Menschen.

Menschlichkeit und Unternehmenserfolg sind kein Widerspruch. Sie sind die Voraussetzung füreinander.

https://www.people-foerst.de/wp-content/uploads/2026/07/people-foerst-perspektiven-higru-04.jpg 1280 1920 daniebl https://www.people-foerst.de/wp-content/uploads/2020/02/people-foerst-erfolg-durch-menschlichkeit-logo-rgb-2020-final-300x88.png daniebl2026-07-07 10:12:192026-09-08 12:38:47Der größte Irrtum in der Führung

Perspektiven für Menschlichkeit und Unternehmenserfolg

Menschlichkeit & Führung

Verantwortung beginnt dort, wo Ausreden enden.

Warum wissen wir eigentlich so viel – und verändern trotzdem so wenig? Diese Frage begleitet mich seit vielen Jahren.

Ich erlebe Führungskräfte, Mitarbeitende und Teams, die genau wissen, wie gute Zusammenarbeit gelingt. Sie kennen die Bedeutung von Vertrauen, Kommunikation, Wertschätzung und Verantwortung.

Und trotzdem bleibt im Alltag vieles beim Alten.

Nicht, weil Menschen nicht wollen. Sondern weil zwischen Wissen und Handeln eine entscheidende Phase liegt.

Der schwierigste Moment des Lernens

In der Lernpsychologie gibt es die vier Stufen des Lernens.

Eine davon empfinde ich als besonders spannend: Die bewusste Inkompetenz.

Das ist der Moment, in dem wir erkennen: “Eigentlich weiß ich längst, was richtig wäre – aber ich setze es noch nicht konsequent um.”

Viele empfinden diese Phase als unangenehm. Sie zeigt uns, dass wir noch nicht dort sind, wo wir gerne wären. Gleichzeitig ist sie der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Veränderung. Denn erst wenn wir wahrnehmen, was wir tun, können wir bewusst eine neue Entscheidung treffen.

Die gute Nachricht

Genau darin liegt eine große Chance.

Wir müssen uns nicht alles von uns selbst gefallen lassen. Wenn wir merken, dass wir falsch abgebogen sind, können wir anhalten.

Nachdenken.

Den Kurs korrigieren.

Und einen neuen Weg einschlagen.

Entwicklung beginnt nicht mit Perfektion. Sie beginnt mit Bewusstheit.

Verantwortung ist mehr als Zuständigkeit

Wenn ich mit Führungskräften arbeite, höre ich häufig Sätze wie:

“Dafür fehlt uns die Zeit.”

“Die Mitarbeitenden müssten …”

“Die Geschäftsführung sollte …”

Natürlich gibt es Rahmenbedingungen, die wir nicht beeinflussen können.

Doch die entscheidende Frage lautet: Wofür übernehme ich heute Verantwortung? Nicht morgen. Nicht wenn alle anderen sich verändern. Sondern jetzt.

Verantwortung bedeutet für mich deshalb nicht zuerst Zuständigkeit. Verantwortung bedeutet die Bereitschaft, den eigenen Einfluss zu erkennen und zu nutzen.

Wissen verändert noch nichts

Die aktuelle State of HR in Deutschland 2026 bestätigt genau diese Beobachtung.

Unternehmen wissen heute sehr genau, welche Themen wichtig sind:

Führung.

Kommunikation.

Zusammenarbeit.

Veränderung.

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht im Wissen. Sondern darin, dieses Wissen Tag für Tag im Alltag umzusetzen. Deshalb entstehen nachhaltige Veränderungen auch nicht durch einen inspirierenden Seminartag.

Sie entstehen durch viele kleine Entscheidungen. Jeden Tag aufs Neue.

Verantwortung beginnt immer bei mir

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis.

Verantwortung beginnt nicht bei den anderen. Nicht bei der Führungskraft. Nicht beim Team. Nicht bei den Rahmenbedingungen.

Sie beginnt immer bei mir. Mit der Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen. Mit der Entscheidung, Verantwortung für das eigene Denken und Handeln zu übernehmen. Denn genau dort beginnt Entwicklung. Und genau dort entsteht die Grundlage für gute Führung, gelingende Zusammenarbeit und nachhaltigen Unternehmenserfolg.

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