Alle Jahre wieder das gleiche Spiel: Anfang Januar explodieren die Anmeldungszahlen in Fitness-Studios und Diät-Clubs. Tausende „Besserungswillige“ wollen ihren Silvester-Vorsätzen folgen, „den inneren Schweinehund“ besiegen und sich „am Riemen reißen“. Fastenkuren boomen, es wird ge-detoxt was das Zeug hält, Laster werden sich ab- und Sport angewöhnt. Und drei Wochen später ist das Ganze meist wieder vergessen. Fitness-Studio-1-Tages-Anmeldungen für den Jahresbeginn wäre eine echte Marktlücke…

Doch statt diverse „Makel“ in sich zu verdammen und im Gegensatz dazu die eigenen Ansprüche immer höher zu schrauben – warum sich nicht einfach mal selbst die Hand reichen und die vermeintlichen persönlichen „Schwächen“ mit einem milden Augenzwinkern belächeln? Und sein lassen?

warum sich nicht einfach mal selbst die Hand reichen und die vermeintlichen persönlichen „Schwächen“ mit einem… Klick um zu Tweeten

Vor kurzem durfte ich an der Uni Hamburg einem Vortrag des wunderbaren Prof. Schulz von Thun zu diesem Thema lauschen. Hochkompetent und humorvoll, hielt er eine Vorlesung über den Sinn und Unsinn von Feedbacks. Technisch lief nicht alles rund, aber statt nervös zu werden, gab Prof. Schulz von Thun seine „Fehler“ mit einem charmanten Lächeln zu und kommentierte sie lässig: „Zu manchen Themen führe ich noch ein Lehrlingsdasein“. Krönung war seine geniale Selbst-Absolution:„Diese Schwäche gönne ich mir“. Wow – was für ein Statement!!

„Diese Schwäche gönne ich mir“ Prof. Schulz von Thun Klick um zu Tweeten

Denn warum eigentlich soll man nicht auch höflich mit sich selbst sein dürfen, statt gnadenlos über sich her zu fallen, wenn einem etwas nicht gelingt?

Fakt ist: Die meisten Menschen lassen anderen viel mehr durchgehen, als sich selbst. Dem Kind, Freund oder Mitarbeiter würde man einen Fehler, einen Faux-Pas, milde verzeihen – doch mit sich selbst geht man wie ein gnadenloser Richter hart ins Gericht. Dabei kann man aus Fehlern so viel lernen, dass man sich über sie freuen und sie herzlich willkommen heißen sollte, statt sich über sie zu ärgern!

Und noch ein zweiter Aspekt fiel mir ein: Schönheitsforscher haben schon lange bewiesen, dass makellose Gesichter als langweilig empfunden werden. Erst ein „Fehler“ oder Makel (wie zum Beispiel Cindy Crawfords berühmter Schönheitsfleck), macht ein Gesicht markant und interessant. Schwächen machen das Profil aus – ein weiterer Grund, die eigene Einzigartigkeit und Individualität zelebrieren. Finden wir nicht Boris Becker genau deshalb interessant, weil er fehlbar ist? Zwar genial begabt, aber eben doch unbeherrscht und verführbar – und damit menschlich?

Schwächen machen das Profil aus - ein weiterer Grund, die eigene Einzigartigkeit und Individualität… Klick um zu Tweeten

Makel machen greifbar. Wer perfekt ist, oder zumindest versucht, es zu sein, wirkt oft wie ein Roboter. Echtheit, Authentizität und Wahrhaftigkeit sind dagegen Werte, die jeden Menschen sympathisch und attraktiv machen – also her mit unseren einzigartigen Fehlern!

Wie wir uns mit uns selbst fühlen, haben nur wir selbst in der Hand. Höchste Zeit also, für eine große Portion Selbstliebe und Selbstfürsorge. Oder, um es mit Osho zu sagen:

„If you suffer, it’s because of you.
If you feel blissfull, it’s because of you.
Nobody else is responsible – only you and you alone.
You are your hell and your heaven too.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen himmlischen Jahresstart in ein wundervolles 2017,

Ihre Regina Först