Wann hat sie eigentlich angefangen – diese neue Vernünftigkeit? „Sex, Drugs & Rock’n Roll“ ist schleichend zu „Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer“ mutiert – ist Ihnen das auch schon aufgefallen?  „Ohne“ ist das neue „mit“: Alles muss möglichst „ohne“ sein: Ohne Laktose, Gluten, unglücklich aufgewachsene Tiere, chemische Zusätze, unbiologische Anbauweise usw.

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Der Überfluss hat uns zu ziemlichen Weicheiern werden lassen. Obwohl wir zum Spaß so viel Zeit, Mittel und Möglichkeiten haben wie nie, überbieten wir uns gegenseitig in Vernunft, Askese und Mäßigung. Political Correctness und Gesundheitsterrorismus haben eine karge Phase misantrophischer Genussfeindlichkeit eingeläutet: Kopf herrscht über Bauch, Verstand über Gefühl, Proteine über Kohlenhydrate!

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Schmallippige Spassbefreitheit, wohin man auch schaut: Wir verhalten uns sozialverträglich, kaufen verantwortungsbewusst, achten auf Nachhaltigkeit und sind ungeheuer achtsam gegenüber uns selbst, allen Du’s und vor allem der globalen Ausbeutung. „Weniger“ ist das neue „Mehr“: Weniger Fleisch (Vegan-Trend), weniger Verpackung (verpackungsfreie Supermärkte), weniger Abgase (Katalysator), weniger Pestizide (Bio-Boom), weniger Plastiktüten (Green Peace), weniger vom anderen Ende der Welt eingeflogenes Gemüse (Food Watch), weniger Büro-Anwesenheitspflicht (Home Office), weniger Alkohol (Light Bier).

Es scheint fast, als ob Sinnlichkeitslosigkeit uns vor Sinnlosigkeit bewahren solle!

Aber sind Verzicht und Mäßigung eigentlich der richtige Weg? Klar ist es gut, ein gesundheitliches und globales Gewissen zu haben – aber sind Freude, Spaß und Unvernunft nicht genauso wichtig?

  • Fangen wir mit unseren Freiheiten das Richtige an?
  • Haben wir das Genießen verlernt?
  • Das Loslassen?

Erinnern Sie sich noch daran, welch unheimliche Freude es macht, mal zu sündigen? Kalorienbombigen Kuchen zu essen? Ernährungsphysiologisch katastrophale Gummi-Bärchen zu naschen? Eine Nacht durchzutanzen? Nackt im See zu schwimmen? Einen Song laut mitzusingen? Zu Leben eben?

Ich möchte dazu anregen, trotz aller Vernunft ab und an auch noch ein bisschen Unvernünftig zu sein. Denn nichts ist öder, als ein vollkommen kontrolliertes Leben!

In diesem Sinne: Machen Sie sich ein verrücktes Wochenende! Gönnen Sie sich etwas – und schreiben Sie mir danach, wie es war! Ich freue mich auf Ihre Erlebnisse!

Herzlichst,

Ihre Regina Först