N. E. I. N. – warum kommen uns diese vier Buchstaben so schwer über die Lippen? „Nein, das möchte ich nicht“, „Nein, das finde ich nicht gut“, „Nein, das ist so nicht richtig“ – gerade Frauen fällt es schwer, eine klare Position zu beziehen und dadurch eventuell Disharmonie zu verursachen. Kein Wunder, sind uns doch unser Leben lang hohe soziale Kompetenz und Empathie-Vermögen als urweibliche Eigenschaften eingetrichtert worden. Immer nett, lieb, bescheiden und verständnisvoll sein. Lieber mal einen Schritt zurücktreten als einen Konflikt herauf zu beschwören, der guten kollegialen Arbeitsatmosphäre Priorität einräumen, statt die Ellenbogen einzusetzen, die Frauen nachweislich ja auch besitzen.

In sozialen, medizinischen oder psychologischen Berufen mag Empathie-Fähigkeit und Nettigkeit ja noch als Plus gelten – in der freien Marktwirtschaft hingegen sind diese Goodies karrieretechnisch ziemlich kontraproduktiv. Denn wer ausschließlich nett ist, den nimmt niemand ernst. Harmoniesucht wird in der Regel mit schwachem Selbstbewusstsein gleichgesetzt. Wer führen will, muss sich durchsetzen können, auch wenn es unbequem ist.

Wer führen will, muss sich durchsetzen können, auch wenn es unbequem ist. Klick um zu Tweeten

Ein Nein schafft oft Klarheit, zeigt Stärke – und ist oftmals ein vollständiger Satz, der nicht noch langwierig erklärt oder relativiert werden muss. Eine ehrliche Antwort ist für unser Gegenüber immer auch ein Geschenk und ein Vertrauensbeweis.

Wie immer ist ein „gutes“ Nein auch eine Frage des Tonfalls: Charmant und mit klarer Stimme hervorgebracht, wird es weder als zickig noch als schroff verstanden werden. So klingt es nur dann, wenn man zu oft „ja“ gesagt hat, sich Frust angestaut hat und man dann irgendwann einfach platzt.

Deshalb nehmen Sie doch mal, egal ob männlicher „Softie“ oder weibliches „Weichei“, all Ihren Mut zusammen und sagen Sie guten Gewissens „Nein“ zu dem Kollegen, der Ihnen schon wieder seine Arbeit aufhalsen will, weil er angeblich noch einen Arzttermin hat. Sagen Sie „Nein“ zu Ihrem Team-Kollegen, der vor dem Chef mal wieder mit Ihren Ideen glänzen will.

Sagen Sie stattdessen „Ja“ zu sich selbst. Stehen Sie für sich ein, zeigen Sie, was Sie können und halten Sie sich nicht mehr zugunsten anderer zurück. Denn wer sich selbst klein macht, der wird nie eine große Aufgaben übertragen kriegen – und auch seine eigene Größe nicht leben.

wer sich selbst klein macht, der wird nie eine große Aufgaben übertragen kriegen – und auch seine eigene Größe… Klick um zu Tweeten

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen durchsetzungsstarken August,

Ihre Regina Först

„Im Nein achte ich mein Sein“