Kennen Sie das auch? Dieses Gefühl, dass Sie eigentlich eine Mogel-Packung sind und es nur eine Frage der Zeit ist, bis Ihnen jemand auf die Schliche kommt?

Bis jemand entdeckt, dass Sie im Grunde bislang immer nur Glück gehabt haben und eigentlich gar nichts können? Die erfolgreiche Immobilienmaklerin, die sich aufgrund ihrer (angeblich) mangelnden Ausbildung minderwertig fühlt, die Bestseller-Autorin, die denkt, sie kann eigentlich gar nichts, die Malerin, die trotz zahlreicher Ausstellung jeden Tag fürchtet, über Nacht ihr Talent verloren zu haben – oder die toughe Politikerin, die heimlich Angst hat, ihre rudimentären Englisch-Kenntnisse könnten ihre Achilles-Ferse werden: Hört man sich im Kollegen-, Freundes- oder Bekanntenkreis um, wird schnell klar, dass der „Hochstapler-Komplex“ überwiegend ein Frauen-Problem zu sein scheint. „Hier bin ich und das kann ich!“ ist ein Satz, der nur wenigen Frauen über die Lippen kommt, egal ob Angestellte oder Führungskraft.

Warum ist das so?

  • Haben Frauen tatsächlich immer noch ein Schuldgefühl, wenn sie Erfolg haben?
  • Denken sie tatsächlich, der Erfolg hat nichts mit ihrem Können zu tun und war reine Glückssache?
  • Warum sind wir immer noch nicht so selbstbewusst wie unsere männlichen Kollegen und vertrauen in unser Können, ohne es zu hinterfragen?
  • Warum glauben wir, dass alle anderen perfekt ausgebildet sind – nur wir nicht?

Fakt ist: Alle anderen kochen auch nur mit Wasser – auch die Männer. Und sollte man tatsächlich mal etwas nicht wissen, bzw. sich nicht kompetent fühlen, so ist auch das nicht schlimm – im Gegenteil: „Gerade wenn man nicht viel weiß,“ so der ehemalige SAP-Vorstandschef Henning Kagermann in einem Interview mit dem Wall Street Journal, „ist man besonders kreativ. Da ist man überzeugender und steht emotional dahinter.“

Was können Frauen in Punkto Selbstbewusstsein und Karriere also von Männern lernen?

„Weniger an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln“, so Kagermann. „Das bedeutet nicht, dass man übertrieben selbstbewusst sein sollte. Wenn ich an mich denke, ich war nicht übertrieben selbstbewusst und habe trotzdem eine Menge erreicht. Aber ich habe nie gekniffen, auch wenn es mal hart wurde. Das ist vielleicht etwas, was Frauen ein bisschen lernen könnten: Die Herausforderung mit einem guten Selbstbewusstsein anzunehmen.“

In diesem Sinne, liebe „Hochstapler“-Frauen, mit den Worten von Herrn Kagermann: “Seid selbstbewusst, und scheut nicht das kalte Wasser!”

Ich probiere es gleich mal mit einer kalten Dusche,

herzlichst,

Ihre Regina Först